Echt gefreut

Vor einigen Tagen fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Es war schon fast dunkel, ich war müde und zugegebenermaßen auch schlecht gelaunt. Anstrengende Termine, nicht alles geschafft, usw. Kurz: Dieser Tag war bisher nicht mein Freund gewesen. Ich setzte mich und schaute aus dem Fenster. Der Bus fuhr los, da begann hinter mir ein Kind zu singen: „In der Weihnachtsbäckerei, ...“ . Ich blickte mich um und sah einen Jungen, der mit seinem Opa unterwegs war. Der kleine Kerl wippte auf dem Sitz und sang fröhlich – nicht laut – ein Lied nach dem anderen. Von „St. Martin“ über „Dicke rote Kerzen“ bis zu besagter Weihnachtsbäckerei. Ich mußte unwillkürlich lächeln. Unverhofft erlebte ich ein persönliches Aufheiterungsprogramm. Zwischen den Liedern wurden dem Opa Fragen gestellt. Ich dachte plötzlich nicht mehr darüber nach, was an dem Tag alles schlecht gelaufen war, sondern freute mich an dem unbekümmerten Singen hinter mir. Wie schön, dass der Opa seinen Enkel gewähren ließ und ihn nicht aufforderte leise zu sein, oder mit dem Singen aufzuhören. Als die beiden eine Haltestelle vor mir ausstiegen, fühlte ich mich besser. Der Mißmut, die Gereiztheit waren wie weggeblasen. Die Freude über ein singendes Kind hatte sie besiegt. Das Leben lehrt uns: Echte Freude lässt uns aufleben, überwindet Dunkelheit und negative Gefühle. Freude befreit und gibt Kraft. Und: Freude kann uns unverhofft geschenkt werden, manchmal ist es ein Kind, das singt.

„Gaudete! Freut euch!“ heißt der dritte Adventssonntag in der katholischen Kirche. Kurz vor Weihnachten wird es uns zugerufen: Freut euch, über Gott, der im Kind Jesus Mensch wird! Ihnen allen wünsche ich eine gute Woche auf Weihnachten zu, in der Sie Freude erfahren oder vielleicht auch selber schenken.

Brigitte Leibold, Gemeindereferentin in St. Joseph

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